MARGARETA HESSE
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laser installation "swathe of light V", Wasserreservoir Museums Mathildenhöhe, Darmstadt 2010, lasers, mirrors, sound (photo: Margareta Hesse)





laser installation "lichtschneise V", Wasserreservoir Museums Mathildenhöhe, Darmstadt 2010, lasers, mirrors, sound (photo: Margareta Hesse)






laser installation "swathe of light I" in the 50 m horizontal tunnel of the Künstlerzeche "Unser Fritz", Herne 2008, laser, mirrors, sound (photo: Marco Wittkowski)



laser installation "swathe of light I" Künstlerzeche "Unser Fritz", Herne 2008, (photos: Winfried Labus)





laser installation "swathe of light IV", Zitadelle, Berlin , 2009 laser, mirrors, sound (photo: Claudia Brunhuber)





laser installation "swathe of light VI", Kunstverein Linz a.Rh., 2011, laser mirrors, sound (photo: Margareta Hesse)





laser installation "swathe of light VI", Kunstverein Linz a.Rh., 2011, laser, mirrors, sound (photo: Margareta Hesse)





laser installation "swathe of light II", Museum am Ostwall Dortmund, 2011, laser, mirrors, sound (photo: Marco Wittkowski)






laser installation "bordering light", Madrasa Bir Lahjar, Tunis, 20,16, lasers, mirrors, sound (photo: Christian Hesse)





laser installation "bordering light", Madrasa Bir Lahjar, Tunis, 2016, lasers, mirrors, sound (photo: Christian Hesse)






laser installation "bordering light", Madrasa Bir Lahjar, Tunis, 2016, lasers, mirrors, sound (photo: Christian Hesse)






laser installation "bordering light", Madrasa Bir Lahjar, Tunis, 2016, lasers, mirrors, sound (photo: Christian Hesse)



 

 

Von Pamela C. Scorzin, Dortmund/ Mailand

Und so kann man denn auch Licht, Finsternis, Helle, Schatten, Durch- und Undurchsichtiges,
Trübe und die Belebung von allen diesen, die Farbe, nicht los werden.
Johann Wolfgang von Goethe

Farbe und Licht sind die bevorzugten Gestaltungsmittel im künstlerischen Werk von Margareta Hesse. In dieser selbst gewählten Reduktion und thematischen Konstanz entfaltet sich zugleich eine enorme, faszinierende Varianz. Diese drückt sich nicht nur im Prinzip der Werkreihen und der modularen Anordnungen ihrer transluziden Bilder aus, sondern vielmehr auch in einer neueren Serie von Licht-Installationen. Seit dem Herbst 2008 setzt die Berliner Künstlerin für die Gestaltung ihrer ortsspezifischen Installationen auch die moderne Technologie von Laser-Geräten ein. Damit bereichert sie die zeitgenössische „Lichtkunst aus Kunstlicht“ (Peter Weibel) wesentlich um ein außerkünstlerisches, industrielles Material, das im Gegensatz zu Glühbirne, Neonröhre oder LEDs von den Künstlern und Künstlerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts bislang viel seltener verwendet wurde. Zu erwähnen wären hier beispielsweise Robert Whitmans „Solid Red Line“ von 1967, ein im Kreis rotierender Laserstrahl, der eine rote Horizontlinie an die Wände eines abgedunkelten Raumes zeichnete, oder Iannis Xenakis’ „Polytope II“, eine Licht- und Klangkomposition mit elektroakustischer Musik auf 8-Kanal-Tonband und Laser-Installation aus dem Jahr 1972, oder Adolf Luthers „Laserraum“, eine variable Rauminstallation aus Rubinlasern, Spiegeln und einer Plexiglasstele mit Drehmotor von 1970.

Diese und andere Beispiele für den experimentellen Einsatz von Laser-Geräten in der Schaffung von avantgardistischen Gesamtkunstwerken aus den frühen Siebziger Jahren dienen uns im Folgenden als kunsthistorische Bezugs- und Ausgangspunkte. Gleichzeitig hat die moderne Laser-Technik aber seit dieser Zeit verstärkt auch Eingang in populäre Multimedia- und Eventveranstaltungen, Konzerte und Light Shows gefunden.
Mit dieser summarischen Kontrastierung und Kontextualisierung in der jüngeren Mediengeschichte werden jedoch schnell auch die Originalität und Singularität von Margareta Hesses Laser-Arbeiten gewahr. Denn weder geht es ihr um die Produktion von bloßen Licht-Effekten, noch um ein populäres Laser-Entertainment, wie es zu dunklen Jahreszeiten inzwischen in vielen Metropolen der Welt oder Clubs zu beobachten ist. Bestehen auf den ersten, flüchtigen Blick formale Ähnlichkeiten zu aktuellen interaktiven Laser-Installationen aus dem Unterhaltungsbereich, wie beispielsweise zu „rAys V2.0“ der niederländischen Gruppe Beyond Expression & IS (2008) , in der 64 Rubinlaser ein farbintensives Lichtrasterfeld bilden, das in Interaktion mit dem Publikum weitere Sounds und Visuals in Diskotheken generiert und steuert, so sind Hesses Laser-Installationen doch konzeptionell strenger, minimalistisch konzentrierter und meditativ reflektierter. Ihre Intention ist ganz autonomer künstlerisch-gestalterischer Tradition verpflichtet, und man darf daher in Hesses aktuellen ortsspezifischen Laser-Arbeiten durchaus auch einen Ausdruck für das Ringen und Finden einer guten Gestaltung mit ethischem Anspruch und symbolischer Transzendenz sehen: „Kein hektischer Linienzauber wie wir ihn aus Laser-Shows kennen. Keine kunterbunten Zaubereien, deren Kunstfertigkeit wir bewundern können. (...) Jenseits der allgemein bekannten unterhaltsamen, kunterbunt bewegten Laserinstallationen, geht es darum, ästhetische, reduzierte Installationen zu entwickeln, die eindrückliche Begegnungen und eine Auseinandersetzung des Betrachters mit dem Laserlicht provozieren.“

Der Effekt ihrer Laser-Installationen liegt folglich in der Generierung von sensualistischen Ambienten und atmosphärischen Räumen für intensive Begegnungen, in denen sich Wahrnehmungen, Erfahrungen und Erlebnisse verstärken. Mit künstlichem Licht interveniert Margareta Hesse dabei, wie beispielsweise der Lichtkünstler Dan Flavin, jeweils in vorgefundene architektonische Räumlichkeiten, die sie zu sinnlich dichten Wahrnehmungs- und Erfahrungsräumen transformiert und atmosphärisch verdichtet. Als Installationskünstlerin ist Margareta Hesse hier im besten Sinne eine Erfahrungsgestalterin.
Die strukturelle Varianz und visuelle Vielfalt ihrer Laser-Installationen wird dabei ursächlich vom jeweiligen architektonischen Kontext her bestimmt: „Meine Laserinstallationen gehen von der Raumstruktur aus / antworten auf die Raumstruktur“, so Margareta Hesse im Gespräch.

Kongenial folgt die variable Konzeption ihrer Lichtraum-Installationen auch der technischen Beschreibung des selbst gewählten primären Gestaltungsmaterials: Denn 'Laser' ist ein Akronym für die englische Definition 'Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation', dt. „Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung“, und beinhaltet einen physikalischen Effekt, mit dem künstlich gerichtete, intensive Lichtstrahlen erzeugt werden können. Der Begriff 'Laser' wird dabei nicht nur für den Stimulierungs- und Verstärkungseffekt, sondern auch für die Strahlquelle selbst verwendet. Geprägt wurde der Begriff Ende der 1950er Jahre durch Gordon Gould. Der Laser ist eine relativ junge technische Erfindung. Er wurde erstmals im Jahr 1960 mit einem Rubinkristall realisiert. Die austretende Laserstrahlung hat ganz besondere Eigenschaften, die sie beachtlich vom künstlichen Licht anderer elektrischer Lichtquellen (wie beispielsweise einer Glühlampe oder Leuchtstoffröhre) unterscheidet – laut Definition des Bundesamtes für Strahlenschutz in Deutschland:

1. Sehr hohe Einfarbigkeit (Monochromasie) - sie weist genau eine Wellenlänge auf;
2. Kohärenz - die Wellen sind sowohl zeitlich als auch räumlich "in Phase", d. h. sie schwingen - bildlich gesprochen - genau parallel im gleichen Takt;
3. Starke Strahlenbündelung - der Durchmesser des Strahls ist auch bei großer Entfernung von der Quelle sehr gering;
4. Hohe Strahlungsdichte - aufgrund der starken Bündelung und der großen Verstärkung der Strahlung trifft auf eine kleine Fläche Strahlung mit hoher Intensität auf. Die Strahlungsdichte der Sonne kann damit um ein Vielfaches u¨bertroffen werden. Laserstrahlung kann in einem relativ großen Bereich des optischen Spektrums erzeugt werden. Er reicht vom Infrarotbereich u¨ber das sichtbare Licht bis zum UV. Der Wellenlängenbereich erstreckt sich von etwa 200 nm bis etwa 10 000 nm. Man kann Laser auch danach unterteilen, ob sie kontinuierlich Strahlung aussenden oder gepulst arbeiten. Pulslaser können z. B. viele Pulse in definierten zeitlichen Abständen aussenden oder aber Einzelpulse. Für spezielle Anwendungen (z. B. Kernfusion) werden extrem kurze (Dauer im Nanosekunden-Bereich) Einzelpulse mit außerordentlich hohen Spitzenleistungen im Megawatt oder Gigawatt-Bereich erzeugt. (Stand 17.06.2009)

Aufgrund dieser Eigenschaften ergeben sich inzwischen vielfältige praktische Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin, Technik, in Forschung und Lehre wie auch in unserem Alltag. Allein Margareta Hesse aber hat den Dauerstrich-Rubinlaser nun auch für die Künste entdeckt.
Ganz im doppelten Wortsinne werden die Laserstrahlen zum roten Faden, zu Richtlinien und zum Grundmotiv einer neuen Werkserie. Ihren leuchtend roten Laserstrahlen, die gleichsam glühende Schneisen durch immer wieder diffus dunkle, unbekannte Räume ziehen, folgt das Publikum dabei stets aufs Neue – als gäbe ihm Margareta Hesse den Faden der Ariadne durch Labyrinthe voll an Entdeckungen und tiefen Erfahrungen zur Hand. Das Berühren und Greifen mit der Hand nach dem, was dem Auge als Materie und Gegenständlichkeit in optischer Klarheit und Präzision erscheint, verliert sich dabei jedoch unmittelbar im Nichts und reinen Schattenspiel oder gar in der Angst, selbst vom die Dunkelheit schneidenden Laserlicht körperlich versehrt zu werden.
Glühendes Rot symbolisiert in unserer Kultur das Herz und die Liebe, Erotik und Sinnlichkeit oder wohlige Wärme, aber gleichzeitig bedeutet es auch zerstörerisches Feuer und hitzige Glut, Blut und Verletzung, Gefahr und Alarm. Zwischen Faszination und Attraktion einerseits und der Gefährdung und Bedrohung andererseits wecken die jeweiligen Erscheinungsweisen der Rubinlaser-Installationen von Margareta Hesse in den vorgefundenen Räumen Emotionen, die in ihren Ambivalenzen wie das Licht als physikalisches Phänomen dabei in Oszillation und heftige, wellenhafte Schwingung geraten.
Der von der Künstlerin mit Licht gestaltete und inszenierte Raumkörper durchwirkt den Körperraum der anwesenden Betrachter. Er kann sich dessen emotionaler Wirkung leiblich nicht mehr entziehen, da er mit all seinen Sinnen selbst jeweils Bestandteil der Installation wird. Wie die Technik des Industrielasers auf der Mikroebene bündelt, ordnet, richtet, lenkt, stimuliert und aktiviert Margareta Hesse auf der Makroebene ihrer Rauminstallationen luzide die Sinneswahrnehmungen ihrer Ausstellungsbesucher. Dabei werden auch alle Sinne des Körpers gleichermaßen angesprochen. Die Besucher tauchen ein in dunkle und schattige Räumlichkeiten, die durch Licht neu strukturiert und rhythmisiert werden. Sie provozieren darauf im Besucher eine Bewegung, Orientierung und Erkundung. Bereits in den kunstgeschichtlichen Vorläufern der zeitgenössischen Installationskunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie etwa 1942 in Marcel Duchamps Proto-Installation „Sixteen Miles of String“ für die New Yorker Ausstellung „First Papers of Surrealism“, bestimmt die gestalterische Intervention des Künstlers im Ausstellungsraum im Folgenden die dramaturgische Choreographie des Besucherverhaltens und somit die Werkerfahrung maßgeblich mit. In diesem gelenkten Wahrnehmungsprozess werden dann weitere körperliche und sinnliche Erfahrungen ermöglicht, beispielsweise durch olfaktorische, akustische oder haptisch-taktile Momente. Ferner wird das partizipierende Publikum durch das Erlebnis von Warm und Kalt, Staub und Stickigkeit oder kühle Nässe und modrige Feuchtigkeit, das die vorgefundenen Räume jeweils charakterisiert, sensibilisiert für die illuminierende Ästhetik der Lichtmarkierungen der Installationskünstlerin.
Überdies kommen in den Licht-Installationen von Margareta Hesse immer noch auch wesentlich akustische Elemente hinzu. Nicht nur die räumlichen Erkundungen des Publikums erzeugen dabei eine natürliche Geräuschkulisse in den halbdunkeln wie Unterwelt-schattigen Räumen. In ihnen scheint der Hörsinn nun dem Sehsinn näher zu kommen. Auch das von der Künstlerin jeweils künstlich generierte Soundscape ihrer Laser-Installation, ein für das Publikum fingiertes und künstlich fabriziertes bedrohlich-beunruhigendes Brummen und Dröhnen der magisch wirkenden Laserstrahlen, die in Wirklichkeit aber für das menschliche Ohr völlig geräuschlos bleiben, obgleich uns George Lucas mit seinen Laser-Schwertern (Lightsaber) der Jedi und der Sith im großen Hollywood-Kino seit Generationen etwas Anderes erzählen will, verdichtet die Raumatmosphäre der Installationsräume für alle Sinne zu einem überwältigenden Gesamtkunstwerk, ohne aber ins vordergründige Spektakel oder reine Event abzugleiten. Die post-minimalistische gestalterische Konzeption ihrer Laser-Installationen erlaubt der Künstlerin vielmehr mit den gleichen technischen Mitteln (verschiedenen Laser-Geräten, Reflexionsspiegeln, Halterungen und eventuell auch Hazern/ Nebelmaschinen) strukturell variabel auf jeweils vorgefundene Raumsituationen zu reagieren, um dennoch daraus eine auf der Wahrnehmungs- und Erfahrungsebene stringente Serie von autonomen Laserlichträumen zu schaffen: „Ich zeichne sozusagen gleißend rote Lichtlinien in den Raum.“
Mit der Zeit hat Margareta Hesse diese temporären Rauminterventionen mit industriellem Laserlicht, die den programmatischen Werktitel „Lichtschneise“ tragen, seriell durchnummeriert. Ihre bislang aufwändigste und spektakulärste Laser-Installation stellt dabei sicherlich in vielerlei Hinsicht die „lichtschneise V“ (Abb. X) dar. Im abgedunkelten linken Teil des historischen Wasserreservoirs unter dem berühmten Ausstellungsgebäude von Joseph Maria Olbrich installierte Margareta Hesse im Frühjahr 2010 im Rahmen der Luminale auf der Mathildenhöhe in Darmstadt ihre 1-2 cm breiten Laserstrahlen in einer wiederum streng geordneten, minimalistischen Formation. Neun gleißend rote Laserstrahlen schossen dort knapp 20 cm über der spiegelnden Wasseroberfläche in die dunkle Tiefe des Zweckraumes, der für die Besucher für die Dauer der Ausstellung geöffnet und begehbar wurde. Rational betrachtet, schienen die Laserstrahlen die Breite der Raumfluchten zwischen den mächtigen Bogenpfeiler des alten Funktionsbau bis in die Tiefe seiner Rückwand zu vermessen und zu erkunden. In Kombination mit der dunstig-feuchten Raumatmosphäre sowie der besonderen Akustik der von den Besuchern erzeugten Wellenbewegungen des klaren Wassers und der wabernden Wasserspiegelungen facettierte sich das streng geordnete und geometrisch gegliederte Raumbild jedoch. Es entstand dabei in vielfacher Hinsicht ein ganz außergewöhnlicher Erfahrungsraum und einmaliger Erlebnisort für 'Reflexionen'.

Hesses Interventionen mit dem Laserstrahl sind demnach auch immer von ephemerer Natur und transformieren die Wirkung der Räume und Architekturen nur für die Dauer der Installation, ohne sie selbst in ihrem Bestand und ihrer Substanz dauerhaft zu verändern. Denn nur für eine bestimmte Zeit wird einem real anwesenden Publikum darin etwas Neuartiges, Faszinierende und Staunenswertes zur Erfahrung und zum Erlebnis gebracht. Ihre temporären Laser-Installationen überdauern als Werke lediglich in der Erinnerung der Besucher sowie in den Dokumentationen aus Wort und Bild, die aber eine eigene, sekundäre Wirklichkeit besitzen und dem direkten körperlichen und kognitiven Erlebnis nie ganz gerecht werden können. Räumlich-zeitliche Wahrnehmungen und emotionale Erfahrungen des in dreidimensionale Installationsräume mit allen Sinnen eintauchenden Publikums werden zu zweidimensionalen Bildern verflacht. Gleichwohl demonstrieren sowohl fotografische Installationsansichten als auch Videofilme, wie sie die Künstlerin für ihre Serie der „lichtschneisen“ produziert und in Katalogen reproduziert, anschaulich wie hier die darstellenden Künsten mit den performativen kongenial konvergieren. Der Ausstellungsbesucher selbst wird in Margareta Hesses Laserlichträumen nicht nur zum Partizipienten, sondern auch zum aktiven Akteuer und Performer: „Die Betrachter, die den Raum durchqueren, sehen sich unmittelbar mit den gleißend-roten Laserstrahlen konfrontiert und müssen entscheiden, ob sie sich lediglich auf der Bahn zwischen den Laserstrahlen bewegen, darüber hinwegsteigen oder den Strahl kreuzen – wodurch sie den Rest des Strahlenverlaufs kurzfristig unterbrechen“ , und damit selbst die Lichtspuren spielerisch in Etappen verändern und helle Lichtzonen kreieren.

Ihre allererste Laser-Installation zeigte Margareta Hesse im Herbst 2008 in der Künstlerzeche „Unser Fritz“ in Herne im Zusammenhang mit der Einzelausstellung „lichtspuren, etappenweise“. Die künstlerisch-gestalterische Auseinandersetzung mit einem ca. 50 m langen, relativ niedrigen, tonnengewölbten ehemaligen Stollengang im Ruhrgebiet, der sich ebenfalls tief unter den Ausstellungsräumen in der Kunstzeche Herne befand, führte sie erstmals zum Einsatz und Gebrauch des industriellen Laserlichts. Hier entstand die post-minimalistisch anmutende Licht-Installation „lichtschneise I“ (Abb. X) aus einem gebündelten, gleißend-roten Laserlichtstrahl, der mittig in Wadenhöhe durch das stockfinstere, labyrinthische Stollengewölbe schoss. Eine weitere Installation der glühend roten, konkret-gegenständlich wirkenden Laserstrahlen erfolgte im modrig-feuchten Bunker des Gebäudes des Fachbereichs Design der Fachhochschule Dortmund, wo Margareta Hesse seit 1995 auch eine Professur für Grundlagen der Gestaltung und Illustration innehat.
„lichtschneise III“ (Abb. X) konnte 2009 als Exponat-Bestandteil in der Gruppenausstellung „1 : 11 Heimvorteil“ in einem eigens abgedunkelten White Cube, einem nahezu quadratischen Durchgangsraum im renommierten Museum am Ostwall in Dortmund gezeigt werden. Der Betrachter musste hier ein in künstlichem Nebel liegendes, kniehohes, akkurat parallel-lineares Lichtlinienfeld eines mittels an den Wänden installierten Umlenkspiegeln mäandernden Laserstrahls durchqueren, um in den nächsten Raum der Ausstellung zu gelangen. Sobald der Betrachter diesen 1-2 cm dicken, objekthaft erscheinenden Laserlichtstrahl jedoch physisch durchkreuzte, wurde die lineare Lichtspur bis zum Ende des Strahlengangs sofort unterbrochen, während der Laserstrahl nun an der Stelle des körperlichen Interaktions- und Berührungspunktes mit einer intensiven bis gefahrvoll wirkenden, gleißend hellen Leuchtspur auftraf. In dem Augenblick aber, in dem der Strahlengang vom Rezipienten wieder verlassen wurde, wurde die Licht-Installation wieder in ihrer gesamten illuminierenden Totalität sichtbar. In der Variante „lichtschneise IV“ (Abb. X), die im gleichen Jahr noch in der Einzelausstellung „Lichtzone“ in den Kasematten der Zitadelle Berlin, Bastion Königin, realisiert wurde, durchschneiden dagegen zwei Laserstrahlen einen sehr langen Gang, um schließlich in einen kleinen Vorraum zu münden und dort ein in Wadenhöhe schwebendes, materiell wirkendes, intensiv leuchtendes Raumgitter zu formieren.
Nach der „lichtschneise VI“ (Abb. X), die Margareta Hesse im Atelier ihres Berliner Künstlerkollegen Klaus Noculak installierte, folgt nun die vorläufig letzte Ausführung der Installationsserie mit der „lichtschneise VII“ (Abb. X) in einer alten Lagerhalle des Elbeforums in Brunsbüttel. Zum ersten Mal wollte Margareta Hesse in dieser neuen Installationsvariante nun auch mit einer Reihe von Laser-Geräten arbeiten, die sich zufallsgesteuert und animiert selbständig durch die Kulisse des abgedunkelten Lageraumes bewegen. Mit fein eingestellten Sensoren ausgestattet, stoppen diese fünf mobilen Laser-Geräte vor jedem anfallenden Hindernis - sei es eine Wand, ein Gegenstand oder ein Mensch -, nehmen sodann einen abrupten Richtungswechsel vor und bewegen sich mit ihren den Raum ertastenden und scannenden Leuchtstrahlen weiter. Die Ausstellungsbesucher können wiederum die räumliche Arena der mobilen Laser-Installation durchschreiten, während die von den herumschwärmenden Laser-Geräten ausgesendeten roten Laserstrahlen in Kniehöhe langsam durch den Raum gleiten und sich dabei ein faszinierendes Licht-Ballett zwischen Mensch und Technik entwickelt, das wechselvolle Emotionen frei setzt – zwischen Schönheit, Faszination und Schrecken.

Licht senden in die Tiefen des menschlichen Herzens ist des Künstlers Beruf.
Robert Schuman