MARGARETA HESSE
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Translucides 06/15, 2015, colour laquer and oil colour on 2 polyesterplates, 80 x 2500 x 8 cm, behind: Translucides 08/15, 2015, colour laquer and oil colour on 2 polyesterplates, 80 x 2500 x 8 cm, Kommunale Galerie Berlin 2015/16, exhibition on occasion of the awarding of the Art Prize Berlin-Charlottenburg/Wilmersdorf of Painting, photo by M. Hesse



 

 



Translucides 12/12, 2012, colour laquer on 2 polyesterplates, 100 x 100 x 5 cm
behind: Translucides 13/12, 2012, colour laquer on 2 polyesterplates, 100 x 100 x 5 cm,
Kommunale Galerie Berlin 2015/16, exhibition on occasion of the awarding of the Art Prize
Berlin-Charlottenburg/Wilmersdorf of Painting, photo by M. Hesse

 

 

 

 

 

Translucides 08/15, 2015, colour laquer and oil colour on 2 polyesterplates, 80 x 2500 x 8 cm, in the back: Translucides 05/15, 2015, colour laquer and oil colour on 2 polyesterplates, 80 x 2500 x 8 cm, on the right: Translucides 07/15, 2015, colour laquer and oil colour on 2 polyesterplates, 80 x 2500 x 8 cm, Kommunale Galerie Berlin 2015/16, exhibition on occasion of the awarding of the Art Prize Berlin-Charlottenburg/Wilmersdorf for Painting, photo M. Hesse

 

 




Translucides 08/15, 2015, colour laquer
and oil colour on 2 polyesterplates,
80 x 2500 x 8 cm, photo by M. Hesse


Translucides 07/15, 2015, colour laquer and oil colour on 2 polyesterplates, 80 x 2500 x 8 cm, photo by M. Hesse

 

 

Translucides 07/15, 2015, colour laquer and oil colour on 2 polyesterplates,
80 x 2500 x 8 cm, photo by M. Hesse

 

 

 

 

 

 

Installation of 18 Colour Pieces in the Kommunale Galerie Berlin 2015/16, exhibition on occasion of the awarding of the Art Prize Berlin-Charlottenburg/Wilmersdorf for Painting

 

 

 

 

 

 

 



Translucides 05/2012,
colour laquer on 2 polyesterplates
50 x 100 x 5cm, photo by M. Hesse


Translucides 04/11, 2011,
colour laquer on 2 polyesterplates
50 x 50 x 5cm, photo by M. Hesse


Translucides 06/12, 2012,
colour laquer on 2 polyesterplates
50 x 100 x 5cm, photo by M. Hesse



 




Translucides 05/11, 2011,
colour laquer on 2 polyesterplates
50 x 50 x 5cm, photo by M. Hesse


Translucides 07/09, 2009,
colour laquer on 2 polyesterplates
50 x 50 x 5cm, photo by M. Hesse


Translucides 07/08, 2008,
colour laquer on 2 polyesterplates
50 x 50 x 5cm, photo by M. Hesse



Translucides 06/09, 2009,
colour laquer on 2 polyesterplates
50 x 50 x 5cm, photo by M. Hesse

 

 

Transluzide
Die Malerei von Margareta Hesse
Peter Lodermeyer

Margareta Hesse ist als eine Künstlerin bekannt, die das Feld der Malerei seit vielen Jahren mit unkonventionellen Form- und Materialexperimenten erweitert und mit ihren Objekten, Laserinstallationen und Videoarbeiten immer wieder auch überschreitet. Die Themen, denen sie in ihren farbstarken malerischen Arbeiten nachgeht, ergeben sich zwar aus den typischen Fragen der zeitgenössischen nicht-gegenständlichen Malerei nach einer autonomen Artikulation von Farbe und Farbkontrast, von Licht und Bildraum. Doch mit den Mitteln, die sie zum Einsatz bringt, hat sich die Künstlerin weit von der herkömmlichen Au¤assung des gemalten Tafelbildes entfernt und unerforschtes malerisches Neuland betreten.

Eine der treibenden Kräfte hinter Margareta Hesses besonderer Konzeption von Malerei ist ihr ausgeprägtes Interesse an dem Phänomen der Transluzenz. Bei einem konventionellen Gemälde fällt das Licht auf die gemalte Oberfläche, wo es teils reflektiert, teils absorbiert wird. So kommen die Farben, je nach Pigment und Farbdichte, zum Leuchten oder aber halten sich als dunkle Farbwerte in der Bildfläche zurück. Transluzide, d. h. partiell lichtdurchlässige Materialien jedoch lassen das Licht eindringen, werden somit selbst lichthaltig und erlauben einen mehr oder weniger deutlichen Blick auf Bereiche, die unter bzw. hinter ihrer Oberfläche liegen. Die enge Verbindung von Licht und Material bringt ambivalente Texturen, Farb- und Lichtwirkungen hervor, wie sie mit konventionellen Materialien wie Öl- und Acrylfarbe nicht zu erzielen sind.

Anfangs experimentierte Margareta Hesse mit Wachs, dessen Materialität sie faszinierte und das sie stellenweise auf die pastosen Ölfarbschichten ihrer früheren Gemälde auftrug, um eine besondere Bildtiefe zu erreichen. Als sie 1999 an einem großen fahnenartigen Gemälde arbeitete, bei dem der Einsatz von Wachs aus technischen Gründen unmöglich war, suchte sie nach einem adäquaten Ersatz. So wurde sie auf den Kunststoff Polyester aufmerksam. Was zunächst nur als Ausnahme gedacht war, erwies sich sehr schnell als künstlerische Offenbarung. Die Polyesterplatten, ein industriell gefertigtes Baumarktmaterial, das gewöhnlich für Garagen, Schuppen oder im Wohnbereich als Sicht- und Wetterschutz verwendet wird, eignete sich überraschenderweise als Bildträger von unerwartet großem Potenzial. Über die Jahre hat Margareta Hesse dieses Potenzial erforscht und ist dabei zu einer Expertin für die vielen Varianten und Unterschiede in Dicke, Farbton, Oberflächenstruktur und Durchsichtigkeit der Polyesterplatten geworden. Anders als etwa Acrylglas, das klar, perfekt und vergleichsweise edel, zugleich aber auch ein wenig steril wirkt, sind die Polyesterplatten mit ihren leicht unregelmäßigen Oberflächen in der Anmutung rauer, spröder und widerspenstiger. Auch sind sie keineswegs vollkommen transparent, sondern streuen und filtern das hindurch fallende Licht so sehr, dass sie nur einen stark verschleierten Blick auf darunterliegenden Bereiche freigeben.

Mit ebenso sparsamen wie präzisen Mitteln gelingt es Hesse, das kunstferne Industriematerial Polyester in vielschichtige Kunstwerke zu verwandeln, an denen sich unerwartete ästhetische Erfahrungen machen lassen. Um die Transluzenz ihrer Bildträger voll auszuspielen, verwendet sie für jede Arbeit jeweils zwei formatgleiche Platten, die mithilfe von Stahlstiften in einigen Zentimetern Abstand voreinander an der Wand montiert sind. Beim Bemalen der Platten greift Hesse vorwiegend auf ein Repertoire von einfachen, leicht nachvollziehbaren geometrischen Formen wie farbige Rechtecke, parallele Streifen, Gitterformen u. ä. zurück. Die Strenge dieses Formenvokabulars wird durch die Lichthaltigkeit des Materials und die Zweischichtigkeit der Bildträger jedoch gemildert und in ein komplexes Spiel von Farbe, Licht und Raum versetzt.

Aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften, die sich stark von denen traditioneller Bildträger wie Papier oder Leinwand unterscheiden, verlangt das neue, ungewöhnliche Material Polyester unweigerlich nach besonderen Farbmaterialien. An die Stelle der Ölfarbe traten unterschiedliche Lackfarben, von Beginn an und bis heute immer wieder pastos aufgetragener Schellack, später auch farbstarke Sprühlacke, deren intensive Leuchtkraft das trübe Medium der Polyesterplatten zu durchdringen vermag. Die Linien und Rechtecke aus Schellack mit ihren hochglänzenden Oberflächen verleihen den Bildern Relief und tragen zugleich mit ihrer honiggelben bis goldbraunen Farbigkeit erheblich zu der charakteristischen Tonalität der Malerei von Margareta Hesse bei. Doch die unübersehbar wichtigste Farbe in ihrem malerischem Kosmos ist Rot, genauer gesagt: starke, vitale, energetisch strahlende Rottöne, von denen ein Großteil ihrer Arbeiten, insbesondere die größeren Formate, dominiert wird. Die Skala reicht dabei von warmen monochromen Farbflächen bis hin zu den irritierenden, kreisrund eingefassten Farbfeldern der »Rotstücke«, die unvermutet eine biologische, organische, ja feischliche Anmutung entfalten.

Margareta Hesse ist ganz besonders an den Ambivalenzen der visuellen Erscheinung und physischen Anmutung ihrer Arbeiten interessiert. Ambivalent sind ihre »Transluzide«, wie der Oberbegriff all dieser Werke lautet, bereits auf der Ebene ihrer Gattungszugehörigkeit. Die quadratischen »Farbstücke« und »Farbkompositionen« etwa, bei denen naturhafte Töne wie Hellgrün, sanftes Ocker und Dunkelrot mit grellen, künstlichen Farben wie Neongelb, -grün und -orange kontrastieren, könnte man als eine Spielart der Farbmalerei oder der Konkreten Malerei ansehen. Zugleich aber handelt es sich bei jeder einzelnen Arbeit jeweils um ein dreidimensionales Wandobjekt, eine Art installativer Malerei, deren aktuelle Erscheinung immer auch vom jeweiligen Raum und seinen spezifischen Lichtverhältnissen abhängt. Hesses Arbeiten fordern die Betrachter dazu auf, sich in Bewegung zu setzen. Denn um ihre Wirkung in vollem Maße zu erleben und zu begreifen, muss man sie aus unterschiedlichen Abständen und aus wechselnden Blickwinkeln anschauen. In der Bewegung vor den »Transluziden« erlebt man aufgrund der Überlagerung der Platten eine ständige Verschiebung der Verhältnisse zwischen den einzelnen Farben und ihrer optischen Mischung. Was von vorne gesehen als harmonischer Gesamtton erscheint, kann sich in der Schrägsicht überraschend als scharfer, dissonanter Farbakkord erweisen. Je nach Blickwinkel und Lichtbedingungen und abhängig davon, ob und wie stark das Polyester angeschliffen ist, öffnen oder verschließen sich optisch einzelne Flächen, erscheinen abwechselnd lichtdurchlässig oder opak, reflektierend oder stumpf. Von bestimmten Standpunkten aus glänzen die Werke auf oder werden vom reflektierten Licht der Fenster oder Lampen im Raum überstrahlt. Bei starkem Lichteinfall kann sich an der Wand hinter den Bildkörpern auch eine Aura aus farbigem Licht zeigen und damit deutlich machen, dass Malerei nicht unbedingt an den materiellen Grenzen des jeweiligen Gemäldes endet. Die »Transluzide« sind mit ihrem Zusammenspiel von Material, Farbe und Licht Lehrstücke über das Sehen als unabschließbarer, lebendiger Prozess – unabschließbar auch darum, weil die Arbeiten visuell nie vollständig zu erfassen sind. Stets gibt es Partien, die verdeckt, unscharf oder dem Blick ganz entzogen bleiben. So bewahren sich die »Transluzide« bei aller Strenge ihres formalen Aufbaus und bei aller Nachvollziehbarkeit des malerischen Prozesses immer auch ein Moment des Geheimnisvollen.